No Milk Today – vegan soulfood

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Ich muss ganz ehrlich sagen, als wir bei »strictly roots«, dem veganen Restaurant in Harlem, NY, den unsere Zimmervermieterin Stepahanie uns empfohlen hat, ankamen, hatte ich mir das Ganze doch vorher ein wenig anders ausgemalt. Anders ist »Strictly Roots« auch. Aber eben nochmal anders. Anders wie Harlem. Multikulti aber bodenständig wie Harlem. Hatte ich bei Stephanies Beschreibung der karibianischen veganen Küche eher ein hippes New Yorker Restaurant in bunten Farben mit einigen Palmen erwartet, gab es hier abgesehen des auch eher spartanisch anmutenden Wandbildes »We serve nothing that crawls, swims, walks or flies« eigentlich rein gar nichts dekoratives. Imbißstühle, Imbißtische, eine Theke… Reggaemusik und drei Rastafari-Typen dahinter. Klar, das ganze ist ein Imbiß! Ein Rastafari-Imbiß eben. Denn die sind bekanntlich ja auch Veganer!

Wir wurden herzlich empfangen und bekamen liebevoll das Essen vorgestellt: Grünkohl, Süßkartoffelspeisen, schwarze Bohnen, Reis, Tofugulasch, falsche Shrimps aus irgendwas mit Kartoffel, verschiedenstes Fake-Fleisch aus Seitan, alles wahlweise kombinierbar und liebevoll zubereitet, zu moderaten Preisen… und wahnsinnig lecker! WIr kamen noch etwas ins plaudern. Ob wir Veganer seien, wollte der nette Rasta-Typ hinter der Theke wissen. Vegetarier, antworten wir. Der Typ grinste. Wenn ich Milch trinken würde, sagte er, dann könnte ich mich schon beim Trinken neben die Kloschüssel setzen. Ein wenig verblüfft war ich schon über diese Aussage. So einen arroganten Eindruck hatte er gar nicht gemacht, dass er uns gleich elitär auf die Nase binden musste wie zum Kotzen er das Trinken von Milch findet.
Ein wenig später fiel mir ein Bericht ein, den ich vor kurzem gelesen hatte und in dem es um die Hintergründe von Laktoseintoleranz ging. Als nämlich beschrieben wurde, dass die Menschen noch gar nicht so lange in der Lage seien überhaupt Milch trinken und verdauen zu können, bzw. einige Kulturen bis heute keine Milch trinken würden (was das Phänomen der LI für mich ziemlich plausibel macht), wurde mir klar was der Typ damit gemeint hatte. Er wäre gar nicht in der Lage Milch zu trinken, da er sie gar nicht vertragen würde! Ganz sicher hat er in seinem Leben noch nie so wirklich Milch getrunken! Und wahrscheinlich hat er sich in seinem Leben überhaupt noch nie von tierischen Produkten ernährt, da er aus einer Kultur kommt, die Aufgrund ihres Glaubens den Verzehr alles tierischen Ablehnen. Komisch, während wir hierzulande im Gegensatz zu unserer Kultur auf etwas verzichten, geht es hier um eine Selbstverständlichkeit, die hingegen später das Nicht-Verzichten fast unmöglich macht.
Eine Selbstverständlichkeit mit der auch dieser Imbiß existiert. Kein Schnick-Schnack, kein Ökogehabe, keine aufgesetze »WIr tun das einzig Wahre«-Attitüde. Stattdessen Bodenständigkeit, Freundlichkeit, gutes Essen, einfach Soul! Also auf nach Harlem. Und vor allem auf zu Strictly Roots, Adam Clayton Powell Jr Blvd (7th Ave), New York, NY 10027 und einfach freuen!
Achja, eine Karte auf der man sehen kann wo Milch vertagen bzw. nicht vertragen wird gibt es hier.

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2 Gedanken zu “No Milk Today – vegan soulfood

  1. Das mit der Laktoseintoleranz ist aber so eine Sache..Ich frage mich, wie viel Glauben man so einer Karte wie der bei Wikipedia schenken kann. Laut Karte haben in Malaysia bspw. 80 bis 90% eine Laktoseintoleranz und trotzdem habe ich es dort als Veganer zwar leichter, aber man ist selbst als nicht-Milch-Trinkerin schon eher die Ausnahme. Genauso wage ich es zu bezweifeln, dass jede/r Rastafari oder Mensch aus der Karibik sich generell vegan ernährt. aber ich lasse mich auch gerne eines besseren belehren.

  2. Natürlich sind nicht alle Rastas Veganer, viele laufen aus modischen Gründen mit Dreadlocks rum. Aber die wahren Rastafaris, die leben tatsächlich vegan. Nur nennen die es anders, nämlich „Ital“. Außerdem leben sie abseits von „Babylon“, der kommerziellen, verkommenen Welt und pflanzen oft ihr eigenes Gemüse und Obst an, von dem sie sich ernähren.

    http://www.rasta-revolution.de/ital/

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