Vegane Wanderschuhe – wo denn bitte?

schuh

Der Urlaub steht an, neue Wanderschuhe werden benötigt, die uralten Lederschuhe aus vorveganen Zeiten fallen auseinander. Schuhkauf online … mag ich nicht, ich will anprobieren, mich beraten lassen, das Material beurteilen, also raus in die Kälte, in den vorweihnachtlichen Shoppingwahn einer westdeutschen Großstadt.

Erster Anlaufpunkt: ein kleiner, inhabergeführter Trekkingladen. Die Beratung endet, bevor sie begonnen hat. Ohne Leder? Ham wa nich. Mein Einwurf, ein bekannter Hersteller mit Tatze setze auf Synthetikmaterial, wird abgetan – so eine Marke verkaufe man nicht, und was ich denn mit Schuhe aus Plastik-Sondermüll wolle. Nach drei Minuten sind wir raus aus dem Laden für naturverbundene, umweltliebende Menschen, stellen fest, dass die bei ihren Touren zwar sicher gerne Tiere aus der Nähe beobachten, aber ansonsten keinen weiteren Gedanken an das Thema Tierrechte und Produkte ohne Tierleid verschwenden.

Zwei klassische Schuhgeschäfte folgen, können mit meinem Wunsch rein gar nichts anfangen – ich hätte auch nach Highheels in Größe 46 fragen können … Rein in die Sport-Filiale einer bundesweiten Kaufhauskette. Das Trekkingschuhangebot ist jetzt im Winter lachhaft klein, die paar Schuhe in der Auslage sind noch nicht mal ordentlich ausgezeichnet, der kleine Aufkleber mit den Symbolen für Leder oder Synthetik fehlt. Das Personal weiß nichts, ist von meiner Frage überfordert, und nach zehn Minuten herumschnüffeln in und an den Schuhen gebe ich auf.

Ab ins Kaufhaus nebenan, wo die Sportabteilung gerade ausverkauft wird. Ein junger Mitarbeiter ist motiviert und lässt sich von meiner Frage nach synthethischem Material und bitte kein Leder nicht irritieren. Wir finden Schuhe einer renommierten Marke, leider   passen sie nicht, schade, der Preis hätte gepasst. Auch hier aber Unkenntnis bezüglich der Auszeichnung, ich erkläre dem Schuhverkäufer, was die Symbole bedeuten.

Zwei weitere Läden folgen, mit ähnlich frustrierendem Erlebnis. Schuhe habe ich nicht gekauft an diesem Samstag, nur die Erkenntnis gewonnen, dass es mit dem Umsetzen eines veganen Lebensstils mal wieder an den simpelsten Dingen scheitern kann.
Zuhause dann diverse Herstellerwebsites durchgestöbert, die veganen Schuh-Shops. Letztere haben zwar diverse Modelle im Angebot, aber ganz ehrlich, optisch und funktional konnten mich die überhaupt nicht begeistern. Was nützt mir ein „korrekter“ Schuh, mit und in dem ich mich nicht wohlfühle? Alles für „die Sache“? Nein.

Also beim Tatzenschuh made in Vietnam hängengeblieben, vollsynthetisch, der übliche Outdoorlook, ich weiß, dass mir dessen Produkte passen, sie sich gut tragen. Kein Tier kam dafür um, dafür nicht in Europa hergestellt, nicht fair. Ein klassischer Kompromiss. Für die Sache …
Joachim Hiller

Foto: Anja Falkenberg